Ist Isoglucose schlimmer als Zucker?

Ist Isoglucose schlimmer als Zucker?

Am 1. Juli war ein schlechter Tag für den Haushaltszucker. Seit dem 1. Juli ist die Zuckerquote für den Maissirup Isoglucose gefallen. Isoglucose ist ein Zuckerzusatz, der in vielen Lebensmitteln verwendet wird – statt gewöhnlichem Haushaltszucker. Schuld daran ist die veränderte europäische Agrarpolitik, die mit TTIP (Transatlantisches Freihandelsabkommen) einhergeht. Die EU rechnet nun mit einer Verdreifachung der Isoglucosemenge in unseren Lebensmitteln. Bisher waren dies 700.000 Tonnen Isoglucose. 2,4 Millionen Tonnen Isoglucose sollen künftig in unsereLebensmittel fließen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) geht davon aus, dass die Fettleibigkeit ganz Europa erfassen wird.

Unterschied zwischen Isoglucose und Haushaltszucker

Saccharose gehört zu den Kohlenhydraten und wird als Kristall-, Haushalts-, Rohr- oder Rübenzucker bezeichnet. Deshalb findet ihr die Zuckerangaben auf den Nahrungsangaben der Verpackung immer unter Kohlenhydrate. Dieser Haushaltszucker ist Zweifachzucker (Disaccharid). Er wird aus Zuckerrohr, Zuckerrüben oder Ahornsaft gewonnen, kommt aber auch in Früchten und Honig vor. Haushaltszucker (Saccharose) besteht zu 50 Prozent aus Glukose und Fruktose.
High Fructose Corn Sirup (HFCS) – auch bezeichnet als Isoglucose – ist ein Zuckerkonzentrat, das ebenfalls aus Glukose und Fruktose besteht. HFCS wird aus Maisstärke oder anderen Stärkequellen gewonnen, die zunächst enzymatisch in den Einfachzucker Glukose gespalten werden. Dieser Einfachzucker wird durch Enzyme in den Einfachzucker Fructose umgewandelt. Je höher der Fructoseanteil von HFCS ist, desto höher ist dessen Süßkraft. Grund dafür ist, dass Fruktose eine höhere Süße aufweist als Glukose.

Isoglucose macht Lebensmittel profitabler

Isoglucose ist gut für die Lebensmittelindustrie, insbesondere für Nord- und Südamerika. In Kanada, Amerika und Mexiko wird Isoglucose massenweise aus Mais hergestellt, der gentechnisch manipuliert wird. Weil Isoglucose billiger ist als Haushaltszucker, profitieren davon vor allem die Unternehmen der Lebensmittelindustrie. In Deutschland wird bisher aber nur der weiße Zucker verteufelt. Deshalb gehen amerikanische Unternehmen davon aus, dass Deutschland und das übrige Europa ein hervorragender Markt für Lebensmittel mit Isoglucose ist. Zudem gehen die Unternehmen davon aus, dass der Markt künftig mit billigen Lebensmitteln aus den neuen EU-Ländern überschwemmt wird.

Wie wird Isoglucose hergestellt?

Isoglucose (high Fructose corn sirup) wird aus Maisstärke gewonnen. Sie zählt zu den Fruchtzuckerarten mit Laktose (Fruktose-Lactose-Sirup). Wer sich näher dafür interessiert kann ein Papier des Deutschen Bundestages über die Folgen des Sirups hier lesen. In Deutschland muss der Maissirup als Fruktose, Fruktose-Laktosesirup oder Laktose-Fruktose-Sirup deklariert werden, sobald ein Anteil von fünf Prozent in ihm steckt. Bisher war es in Deutschland nicht zulässig, diesen Sirup aus gentechnisch veränderten Organismen herzustellen. In Amerika allerdings schon. Damit haben sich am 1. Juli für US-Unternehmen neue Märkte für amerikanische Lebensmittel geöffnet.

Warum Isoglucose dein wahrer Feind ist

Das Problem ist nicht nur, dass Isoglucose ein genmanipuliertes Massenprodukt ist. Es soll schädlicher sein als gewöhnlicher weißer Haushaltszucker. Im Maissirup sind Monosaccharide, deren Botenstoffe in unserem Gehirn den Sättigungseffekt aussetzen. Normaler weißer Zucker enthält in seinen Polysacchariden diese Botenstoffe. Das ist, wenn man der Weltgesundheitsorganisation WHO glaubt, mit einer Ursache für das massive Übergewicht der Amerikaner. Dort tauscht die Industrie den relativ teuren Haushaltszucker seit den 1970er Jahren gegen billigen Maissirup aus. Nicht nur Übergewicht ist eine Folge, sondern auch Bauchkrämpfe, Blähungen, Durchfall oder Kopfweh. Dahinter verbirgt sich eine Fructoseintoleranz. 20 bis 30 Prozent weltweit leiden unter der sogenannte Fruktosemalabsorption, die Übelkeit, Blähungen, Durchfall und Bauchkrämpfe auslöst. Außerdem steht Isoglucose im Verdacht, die Fruchtbarkeit zu beeinflussen (Quelle).

Wo steckt Maissirup drin?

Isoglucose steckt vor allem in Fertigprodukten. Im Kühlregal gibt es nur wenige Joghurts, die keinen Maissirup enthalten. Auch Eis, Kekse, Säfte, Fertigsoßen, Brötchen und Brot werden mit dem billigen Maissirup gesüßt. Dem Konsumenten fällt das natürlich nicht auf. Er wundert sich höchstens, warum er immer noch Hunger hat, obwohl er bereits eine Packung Kekse gefuttert hat. In Kinderprodukten findet ihr Maissirup leider besonders häufig. Sehr viele Hersteller verwenden für Babykekse, Babysäfte oder Baby Brei Maissirup. Isoglucose muss aber nicht als Zucker deklariert werden. Die Hersteller nutzen dies aus und werben gerne mit „zuckerfrei“ oder „weniger Zucker“. Deshalb nicht auf die Deklarationen „zuckerfrei“ oder „besonders hoher Fruchtanteil“ achten, sondern lieber die Nährwertangaben ganz genau lesen.

Verpackungen: Inhalte sind geschönt

Selbst aufgeklärte gesundheitsbewusste Verbraucher, die auf Zuckerzusätze beim Kauf von Produkten achten, unterliegen schnell der Täuschung. Grund dafür ist, dass es 70 verschiedene Zuckerarten gibt. Süßmolkepulver, Vollmilchpulver, Glukosesirup und Maltodextrin sind nur ein Beispiel von vielen. Und es kommt noch schlimmer. Zuckeraustauschstoffe (sogenannte Süßstoffe) müssen nicht deklariert werden. Cappuccino-Pulver ist dafür ein Klassiker. Eine Dose Cappuccino-Pulver von Rewe enthält zum Beispiel 31 Stück Würfelzucker. Der Hersteller wirbt aber mit „ungesüßt“. Im Cappuccinopulver ist Süßmolkepulver enthalten. Das ist Zucker. Allerdings kein Kristallzucker. Auch Isoglucose muss nicht deklariert werden und fällt daher gerne mal unter die Kategorie „ungesüßtes Produkt“.
In der ARD Mediathek gibt es hierzu einen fünfminütigen Clip.   

In der ZDF Mediathek befindet sich ebenfalls ein Video zum Thema. Auch auf Youtube gibt es zahlreiche Infos zu diesem Thema.

Quellen:
https://www.bundestag.de/blob/407580/9a8492710c85684294fea52c77d7f4cd/wd-9-084-15-pdf-data.pdf
Studie Yale University, Kathleen Page: Studie zu Fructose

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14 thoughts on “Ist Isoglucose schlimmer als Zucker?”

  • Super spannend. Das war mir bisher nicht so bewusst und bestärkt mich darin, verstärkt Sachen selbst zu machen. Noch mehr als bisher – da weiß ich, was drin ist 🙂 LG

  • Hallo,

    das ist ein super informativer Beitrag. Im Zuge meiner Ernährung habe ich mich ja auch schon mit den verschiedensten Zuckerarten auseinander gesetzt. Man mag nicht glauben, was sich alles hinter irgendwelchen Bezeichnungen versteckt.

    Beim Backen nutze ich Austauschstoffe wie Xylit oder Erythrit – ansonsten versuche ich auf Zucker jeglicher Art zu verzichten. Seit dem geht es mir um einiges besser. Nicht nur das Gewicht geht runter, auch die Haut ist besser und das allgemeine Wohlbefinden.

    Herzliche Grüße und einen schönen Sonntag
    Sandra

  • Interessant! Von Isoglucose hatte ich noch nie was gehört. Da muss ich in Zukunft echt mal darauf achten.

    Liebe Grüße
    Lisa

  • Ein sehr interessanter und informativer Beitrag.! Hätte ich bald einen Chemietest über Zucker, wäre das hilfreich. 😀 ich versuche auf alle Arten von Zucker zu verzichten, beim Backen wird das schwierig. 😀

  • Ein superspannender Artikel! Ganz ehrlich: Ich wusste bisher viel zu wenig über Isoglucose und werde in Zukunft beim Einkaufen vermehrt darauf achten. Was sich aufgrund deiner genannten nicht vorhandenen Kennzeichnungspflicht allerdings als schwierig herausstellen sollte. Glücklicherweise kaufe ich so gut wie keine Fertigprodukte und verwende selbst entweder Saccharose oder eben auch viel Xylit.
    Liebe Grüße, Ina

  • Liebe Julia,

    wie immer ein informativer und spannender Beitrag! Ehrlich gesagt wusste ich über die Hintergründe von Isoglucose viel zu wenig Bescheid. Ich habe die Befürchtung dass jetzt Produkte mit diesem Zucker versetzt den Markt überschwemmen werden. Da ist mir weißer Zucker hundert Mal lieber als ein Zucker der aus genmanipulierten Mais gewonnen wird – aber es ist wie überall „Geld regiert die Welt“ und wenn die Menschen übergewichtig und krank sind, profitiert die Pharmaindustrie davon ;-( …

    Sonnige Grüße
    Verena

  • Wieder ein sehr interessanter Post von dir. Isoglucose war mir bisher nicht bekannt, da werde ich bei meinem nächsten Besuch in den USA aber genau auf die Verpackungen schauen. Danke für den Tipp.
    Liebe Grüße
    Sigrid

  • Das ist unsere WEG-Gesellschaft. Wos eini geht.
    Leider ist viel zu vielen Menschen nach wie vor nicht bewusst, dass Großunternehmen keine guten Freunde sind und man selber auf sich schauen muss.
    Danke für diesen guten Artikel!
    Liebe Grüße, Nicoletta-Maria

  • Liebe Julia,
    danke für die Info! Ich versuche auch seit einiger Zeit möglichst auf industriellen Zucker in Nahrungsmitteln zu verzichten, leider lässt sich die Industrie immer wieder etwas Neues einfallen und auch die Beschriftungen auf den Produkten werden angepasst. Da hat es der Verbraucher nicht leicht! Toll, dass du in deinem Blog mithilfst den Zuckerübeltätern auf die Schliche zu kommen!
    Allerliebst Mine

    • Danke für deine lieben Worte Mine. Du hast schon recht mit der Nahrungsmittelnindustrie. Dauernd fällt ihnen was ein 🙂

  • Hallo, danke für diesen informativen Beitrag, habe gar nicht gewusst wie schlecht dieses Isoglucose ist. Acht schon darauf weniger Haushaltszucker zu mir zu nehmen, aber über Isoglucose habe ich gar nicht nachgedacht. Danke für die Infos.
    Liebe Grüße
    Bo

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