Wurst ohne Zucker: Gibt es die überhaupt?

Wurst ohne Zucker: Gibt es die überhaupt?

Neulich hat mir die liebe Silke geschrieben und mich gefragt, wie es denn mit Zucker in Wurst und Fleisch aussieht. Ich bin kein Vegetarier und kein Veganer, esse in der Tat aber sehr wenig Wurst und wenig Fleisch. Die meiste Wurst schmeckt mir schlichtweg nicht und beim Fleisch ist es ähnlich. Nach etlichen Fleischskandalen und Reportagen über Tierleid, bin ich auch sehr verunsichert, was ich überhaupt konsumieren kann. Deswegen kaufe ich diese Produkte ausschließlich bei einer regionalen Metzgerei und im Bioladen. Ich weiß zwar dann, woher meine Produkte kommen, aber über den Zucker sagt dies noch lange nichts aus. Wurst ohne Zucker? Ein sehr sehr schwieriges Thema. Und ich möchte vorweg sagen, dass ich das Thema weder auf der einen (Nein zu Fleisch) noch auf der anderen Seite (Fleischesser) dogmatisch betrachten möchte. Mir geht es vordergründig um den Inhalt der Produkte

Abgepackte Wurst enthält viel Zucker

Im Supermarkt habe ich mich auf die Suche gemacht nach zuckerfreier Wurst. Die Bilanz war ernüchternd, um nicht zu sagen: Bitter. Egal ob man nun Wurst vom Rind, von der Pute, vom Schwein oder vom Huhn anschaut, abgepackte Wurstwaren enthalten extrem viel Zucker (Glukosesirup). Das hängt auch nicht mit dem Fettgehalt zusammen. Light-Wurst hin oder her, Fettgehalt ahoi! Abgepackte Wurst ist verzuckert. Selbst der Frühstücksspeck ist verzuckert. Der abgepackte, angeblich geräucherte Speck hat oft nie einen Rauch gesehen, sondern wird lediglich mit irgendwelchen „Raucharomen“ hergestellt. Räuchern kostet ja schließlich bei der Herstellung eine Menge Zeit. Insgesamt ist der Zuckergehalt bei abgepackter Wurst aber natürlich um ein vielfaches niedriger, als beispielsweise bei einer Limo. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, nicht mehr als zwei bis drei Mal pro Woche Fleisch- und Wurstwaren zu konsumieren. Das entspricht bei Erwachsenen etwa 300 bis 600 Gramm. Übrigens heißt bei abgepackter Wurst „Geflügel“ nicht immer, dass es auch Geflügel ist. Mehr dazu könnt ihr bei Foodwatch nachlesen.

Wurst ohne Zucker: Sind Metzger die bessere Alternative?

Wenn du jetzt denkst „Ich kaufe ja beim Metzger“ um die Ecke, dann muss ich dich enttäuschen. Metzger stellen zwar meistens ihre Wurst her, sie verwenden zur Wurstherstellung aber auch Zucker. Hinzu kommen noch Geschmacksverstärker aller Art und Hefeextrakte. Grundsätzlich ist bei der Herstellung von Wurst Zucker erlaubt. In vielen Metzgereien wird Glucose verwendet, damit sich das Pökelrot schneller bildet. Außerdem mildert Glucose den Salzgeschmack von Zucker ab. In Knackwurst, Salami und Mettwurst stecken oft Lactose und Dextrose, damit sich das typische Rohwurstaroma bildet. Dabei sinkt der pH-Wert der Wurst auf 4,8 ab. Auch Bio-Wurst enthält fast immer Zucker. Es ist also ein Irrglaube, im Bio-Markt gibt es nur Wurst ohne Zucker.  Ein Blick auf die Nährwertinformationen sind wichtig. Schlechte Erfahrungen habe ich damit gemacht, eine Verkäuferin direkt zu fragen, ob und wie viel Zucker in Wurstprodukten ist. Sie sah mich an, als wäre ich eine Außerirdische vom Mars. Wahrscheinlich ist sie solche Fragen auch einfach nicht gewohnt. Ein guter Tipp ist es auch, außergewöhnliche Wurstsorten zu hinterfragen. Und wenn auf der Verpackung steht „ohne deklarationspflichtige Zusatzstoffe“, heißt es noch lange nicht, dass das Produkt ein tolles Produkt ist.

Warum Wurst und Fleisch trotzdem nicht gesund sind

Grundsätzlich möchte ich auf das große Leid hinweisen,  dem Tiere ausgesetzt sind. Die Frage, wie lange Tiere in der Massentierhaltung leben, also wie alt sie sind, wenn sie geschlachtet werden, spielt vor allem für Tierrechtler und Tierschützer eine wichtige Rolle. Gott sei Dank interessieren sich aber auch Fleischesser für die Herkunft von Tieren und Fleisch. Ich möchte nun auch nicht auf die verschiedenen Positionen eingehen. Es ist zum einen eine persönliche Entscheidung, zum anderen gibt es Blogs und Informationsseiten, die sich besser auskennen. Es sind aber nicht nur Tierleid und Zucker, die einen über den eigenen Konsum nachdenken lassen sollten. Fleischprodukte und Wurstwaren enthalten sehr viel Natriumnitrit (E250). Dieser Stoff erhöht das Risiko, an Krebs zu erkranken. Wenn Natriumnitrit erhitzt wird (insbesondere beim Braten oder Grillen), bildet sich das stark krebserzeugende Nitrosamin. Wurst, die Phosphat enthält, sollte man besser meiden, da sie in Kombination mit E250 besonders schädlich sein soll. Der Stoff wird eingesetzt, weil Natriumnitrit fast alle Bakterien abtötet. Er ist damit ein Konservierungsstoff (wenn auch ein ungesunder). Ein ganz wichtiger Grund ist, dass Natriumnitrit für die rote Farbe bei Fleisch- und Wurstwaren sorgt. Das heißt auch Fleisch wird oft mit Natriumnitrit versetzt, damit es eben saftig und rot aussieht. Die Optik ist leider für viele Verbraucher wichtiger, als die eigene Gesundheit. Seit Ende 2016 sind Hersteller verpflichtet, Angaben über ihr Zusatzstoffe zu machen. Natriumnitrit ist so giftig, dass es sehr strenge Auflagen für die Verwendung gibt. Der Grenzwert liegt bei 0,5 Prozent im Nitrit-Pökelsalz. Letztendlich führen Fleisch und Wurst auch zu einem hohen Cholesterinwert.

Wurst ohne Zucker: Wo finde ich sie?

Die Wahrscheinlichkeit Wurst komplett ohne Zucker zu finden, ist leider sehr gering. Am ehesten trifft das noch auf Wurst in Bio-Qualität zu, aber auch hier gibt es böse Überraschungen. Ich habe Wildschinken ohne Zuckerzusatz gefunden. Im Kaufland habe ich einen spanischen Schinken entdeckt, der wenig Zucker enthält (unter 0,1 Gramm), allerdings habe ich da wieder das Problem mit der Herkunft. Vielleicht ist er für den ein oder anderen von euch aber eine Alternative. Soweit die Realität. Was kann ich aber trotzdem tun für meine Gesundheit?

• Kompletter Verzicht auf Wurst- und Fleischprodukte oder bewusster Konsum
• In Metzgereien direkt fragen, welche Zusatzstoffe/Inhaltsstoffe in den Produkten sind. Auch nicht lockerlassen, wenn die Verkäuferin dich abwimmeln will
• Kinder unter einem Jahr sollten wegen des Natriumnitritgehalts (beziehungsweise Nitritpökelsalz) gar keine Wurst- und Fleischwaren essen, da es auf Kinder noch schädlicher wirkt, als auf Erwachsene
• Es gibt Wurst ohne E250, selten, aber besser
• Am meisten kommen Zucker und Natriumnitrit in Konserven, gepökeltem Fleisch und Marinaden (Dörrfleisch, Speck) vor, sowie in TK Waren (Pizza mit Salami oder Schinken)

Mein persönliches Fazit

Grundsätzlich esse ich keine abgepackten Wurst- und Fleischprodukte. Da es hier nur selten Wurst und Fleisch gibt, kaufe ich alles in Bio-Qualität. Dass das teurer ist, ist mir klar. Es ist aber eine persönliche Entscheidungen. Im Internet gibt es inzwischen verschiedene Angebote von Metzgereien, die Birkenzucker verwenden und auf Geschmacksverstärker aller Art verzichten. Aber auch das ist keine Wurst ohne Zucker. Ich habe sie nicht getestet. Übrigens sind für mich vegane Wurst und vegane Fleischangebote überhaupt keine Alternative. Sie erhalten ebenso Geschmacksverstärker, viel Zucker und Salz (je nach Anbieter). Die Lebensmittelindustrie hat erkannt, dass sich immer mehr Menschen vegan ernähren. Es ist natürlich zu begrüßen, dass es Alternativen gibt bei natürlichen Lebensmitteln. Aber auch hier gilt: Lesen was drin steckt schützt vor bösen Überraschungen und komischen Inhalten.

Und ihr? Seid ihr Veganer, Vegetarier oder Fleischesser? Wo kauft ihr diese Produkte?
Wer weiterlesen möchte:

Zusatzstoffe in Lebensmitteln
Deutscher Vegegarierbund
Das Fleischerhandwerk

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8 thoughts on “Wurst ohne Zucker: Gibt es die überhaupt?”

  • Ein hilfreicher und vor allem aufklärender Artikel. Ich durfte wieder einiges dazu lernen. Ich bin Fleischesser, kaufe aber nur bei den Metzgern meines Vertrauens ein und habe mich bewusst dazu entschieden meinen Fleischkonsum zu überdenken und nicht jeden Mist zu essen!

  • Wir haben glücklicherweise eine ausgezeichnete Fleischerei im Ort, der noch selbst schlachtet und von regionalen Kleinbauern beliefert wird. Eine absolute Rarität in unseren Zeiten, bei dem außerdem noch Preis und Geschmack stimmen. Dort kaufe ich unsere Fleisch- und Wurstwaren sehr gerne ein. Ich habe selbst schon einmal die Inhaltsstoffe erfragt – in Wurst ist meistens Zucker drin, Schinken ist in unserer Fleischerei normalerweise frei davon.

    Danke für deinen gut recherchierten und zum Nachdenken anregenden Artikel. Gerne teile ich ihn weiter, wenn sich eine Gelegenheit ergibt.

    Liebe Grüße

    • Liebe Nicoletta, da habt ihr richtig Glück. Gute Metzger sind selten. Sie werden leider auch von den Einkaufszentren auf der grünen Wiese vertrieben. Ich habe aber auch noch einen in der Nähe, dem ich diesbezüglich zu 1000 Prozent vertrauen kann. Viele Grüße Julia

  • Ich wusste bereits um das Thema -ose in Wurstwaren. Damals, als ich mich damit zu beschäftigen begann, war ich überrascht, was nicht alles an -osen ist Wurstwaren versteckt ist. Aber ich habe schon wieder lange nicht mehr daran gedacht. Danke fürs Erinnern und Informieren. Da werde ich mich wohl wieder näher damit befassen. Herzlich

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